Tag der offenen Tür bei Stoffwelten

14315662_1235208826537259_1060489542_oLange habe ich überlegt ob ich schreiben soll oder nicht. Denn der Tag bei Stoffwelten lief alles andere als rund. Aber tut es das, bei so einem Event? Dennoch möchte ich irgendwie ein Fazit ziehen, auch wenn das Thema #TdoTStoffwelten schon zu genüge Diskutiert wurde. Vor allem in der dazu eigenen Gruppe bei Stoffwelten die nur zum Thema #TdoT gegründet wurde.

Leider wurde so viel Kritik geübt, die nicht unbedingt konstruktiv war, das sich die beiden Gründer und Organisatoren Gundula und Gunter Wielage mit sicherheit überrannt fühlten. Und das ging Ihnen am Tag selbst ganz bestimmt auch so.
Also alles auf Anfang:
Der Tag der offenen Tür wurde weit in der Vergangenheit angekündigt. Er wurde als ein Tag bei Freunden betitelt und vor allem ist die Fa. Stoffwelten in der Nähszene keine unbekannte Größe. Das Unternehmen ist vor gut 4 Jahren als zwei Mann Unternehmen gegründet worden und beschäftigt nun mehr 30 Mitarbeiter in Vollzeit. Und das in dieser kurzen Zeit. Das ist schon bemerkenswert und sicher der Traum von vielen Startup Unternehmen. Die beiden haben einfach den Nerv der Zeit getroffen und bringen eine unglaublich tolle Unternehmensphilosophie mit.
Ein ganz besonderes „Markenzeichen“ sind die sogenannten EP’s (Eigenproduktionen) die Stoffwelten selbst entwirft und produzieren lässt. Alle Stoffe sind Öko zertifiziert und werden Schadstoffarm hergestellt, was die Stoffe dann auch besonders für Kinderkleidung interessant macht. Denn hier scheint die Nachfrage am größten – Kinderstoffe.

14285472_1235208819870593_458747919_oNun durfte man nach dem Umzug in ein eigen gebautes neues Domizil endlich mal hinter die Kulissen schauen. Und das war es, was den Tag für mich so interessant machte. Gucken wie das Geschäft läuft, wie der online Handel bei Stoffwelten funktioniert. Die Lagerräume sehen, die Massen an Stoffballen. Ich war so unglaublich neugierig.
Als die Karten dann in den Vorverkauf gingen, war ich wirklich so froh, eine abbekommen zu haben. Für 5,-€ war mir mein Eintritt also sicher. Also hieß es für mich, am 10.09.2016 geht es nach Lichtenau im Kreis Paderborn. Eine Strecke waren für mich also 165km. Nicht wenig, aber auch irgendwie noch im Bereich des machbaren.

Wenn man sich in diversen Foren und Facebookgruppen bewegt, Blogs und Facebookseiten verfolgt, wurde einem auch schnell klar, wer noch so alles kommen wollte. Und mit den lieben Mädels, mit denen ich schon länger Kontakt hatte, wollte ich mich also endlich treffen. Bei Stoffwelten. Eine bessere Plattform kann es doch eigentlich nicht geben. Eine gute Freundin wollte auch kommen, wir haben uns lange nicht mehr gesehen und wollten den Tag zu zweit dort verbringt. Die Planung stand also, der Tag durfte kommen.
Die Vorfreude war bei vielen da, die Facebookgruppe explodierte. Es war auch irgendwie schön zuzusehen/zulesen.

Um 8.15Uhr ging es für mich los, die Fahrt dauerte knapp 1 3/4Std und ich bin ich Lichtenau angekommen und stellte mich erst mal in einen Stau an – im DORF! Laut Zeitungsartikeln muss der Tag für ein Verkehrschaos gesorgt haben. Ich denke so einige Anwohner waren davon sichtlich irritiert und fuhren den Kopfschüttelnd an mir vorbei, wendeten oder nutzen den Standstreifen/die rand Wiese um an der Autoschlange vorbei zu fahren.

14274504_1235208713203937_1371555643_oDer Stau endete in einem Industriegebiet, unbebaute Flächen und ein leerstehendes Feld wurden als Parkplatz umfunktioniert. Stimmen die hier von Unzumutbar reden kann ich nicht nachvollziehen. Die Parkplätze waren kostenlos und wurden eigens für diesen Tag abgesperrt und geschaffen. Das fand ich wirklich sehr nett. Und bei vielen Veranstaltungen habe ich ähnliches gesehen, nur wurde hier noch Geld dafür verlangt.
Für ein tiefer gelegtes Auto konnte das schon mal schwierig werden, aber mit Schrittgeschwindigkeit konnte ich einen Parkplatz sehr bequem erreichen, der nicht mal im Ansatz ausgelastet war.
Die Menschenschlange vor dem Geschäftsgelände war schon einschüchternd. Aber ich gebe zu, sie kam nicht unerwartet. Die Menge ähnelte vor Einlassen auf einem Konzert oder Fußballspiel. Da stellen sich allerdings nicht alle nett in einer Reihe auf.
Ja es wurde gedrängelt und auch hier wurde sich bei Facebook sehr oft drüber ausgelassen, aber hey, dass ist nicht fair, ja. Aber es passiert wirklich überall. Und KEINER kann mir erzählen, dass er das nicht selbst schon mal gemacht hat.
Was die Stimmung getrübt hat, obwohl man sich eigentlich hätte freuen sollen: Es war warm, sehr warm, Sonne pur und keine Wolke am Himmel. Und es gab kaum Schattenplätze. Weder in der Schlange vor dem Gelände noch auf dem Gelände selbst.

Die Jugendfeuerwehr verteilte kühle Getränke und Kaffee gegen eine kleine Spende die ich mehr als vertretbar fand. Auch hier gebe ich noch mal zu bedenken, was wir für Geld bereit sind in Stoff zu investieren oder mal kurz zu überlegen, was die Cola/Fanta & Co im Kino kostet…! Im weiteren Verlauf haben Gundula & Gunter sogar Wasser organisiert und dies kostenfrei verteilen lassen.

14303676_1235208793203929_1828862098_oAm Einlass selbst gab es für jeden Karteninhaber einen kleinen „Goody“-Bag. Die Tasche war aus dem eigenen Monster-Design aus echt robusten Material – man kann sie super weiter verwenden! Zudem einen halben Meter Sterne-EP „Rainbow Spectrum“ der ausschließlich für den TdoT produziert wurde und es nicht im Online-Shop zu kaufen gibt. Ein Gutschein für einen Schrimmützenschnitt von Pauline Dohmen (Autorin der beiden Bücher ‚Kinderleicht‚ & ‚Babyleicht‚ Nähen mit Jersey) über den ich mich echt gefreut habe. Pauline Dohmen war am Tage selbst auch vor Ort um ihr neuestes Buch ‚Babyleicht‚ vorzustellen, zuverkaufen und dabei auch zu signieren. Gern hätte ich das Angebot genutzt, leider war hier kein durchkommen möglich. Aber die Bücher möchte ich euch dringend ans Herz legen. Sie sind wirklich toll geschrieben und die Schnitte sitzen perfekt.
Dann gab es noch einen Gutschein für eine kostenlose Stick-/Plottdatei extra erstellt von Jeanette von Huups und eine exklusive Postkarte von Farbenmix.

14273520_1235208779870597_1932477961_oNun habe ich ja schon recht lange in der Schlange gestanden und es war echt warm. Meiner Freundin machte dies dann langsam zu schaffen, aber die Motivation war hoch. Also haben wir uns in die noch durchaus nicht zu verachtende Schlange vor dem Stoffzelt angestellt. Denn irgendwie war man ja nun doch auch da, um den Stoff vor Ort zu kaufen.
Ein Stand von Farbenmix & Cherry Picking war auch dabei, leider war auch hier wieder kaum durchkommen, dass wir hier nicht in Ruhe haben gucken können. Das „Hinter den Kulissen“ gucken, haben wir uns dann für den Abschluss aufgehoben.

14303703_1235208796537262_1875524061_oIn der Stoffschlange selbst – die wirklich immer länger und länger wurde – merkte man dann doch nach über 1 1/2 Stunden langsam Unmut aufkommen. Frauen standen in der prallen Sonne, Männer ebenso und die waren zudem oft mit kleinen Kindern beschäftigt, denen das warten zu langweilig werden würde.
In der Gruppe und auch auf der Seite selbst wurde der Tag ganz klar als Familientag angepriesen. Es gab eine kleine Hüpfburg, Kinderschminken und ein kleines Karussell und zudem ein Stand mit Leckereien wie Kuchen&Co sowie Pommes & Grillgut. Ja auch hier war es voll, aber ich erinnere da immer wieder gern an ein Konzert.

14303800_1235208743203934_2019724692_oIch glaube die Hitze und die Masse an Menschen die gefühlt Zeitgleich ankam, machte eigentlich das Chaos aus. Es wurde wahrscheinlich gehofft das sich alles ein bisschen mehr verteilt. Das tat es aber leider nicht. Schon im Vorfeld gab es Befürchtungen, das gerade die Ep’s nicht für alle reichen werden. Vor allem weil viele gebeten haben, ob man ihnen nicht was mitbringen könnte – da sie selbst nicht kommen konnten. Aus welchen Gründen auch immer. Es fühlte sich für mich aber auch ein bisschen nach „gezielter“ Werbeaktion an. Genau an diesem Tag und für diesen Tag Eigenproduktionen rauszubringen. Und diese EP’s lösen einen wirklichen Hype aus.
14315545_1235208786537263_1044580899_oWas für mich persönlich auch sehr schwierig war zu verstehen, wie kann man zu so einem Tag seine Kinder mitbringen. Ich habe mich bewusst dazu entscheiden, meine Tochter und meinen Mann zu Hause zu lassen. Egal wie sehr etwas als „Kinderfreundlich“ angepriesen wurde. Mir war klar ICH wollte diesen Tag genießen. ICH wollte für MICH gucken und schnübern und Mädels kennen lernen. Weder mein Mann noch meine Tochter hätten diesen Tag genießen können. Zudem war absehbar, dass es sehr heiß werden würde. Jedes Kind war in einem kleinen Planschbecken oder dem Freibad besser aufgehoben als dort. Und das ist eigentlich ein Vorwurf, den ich machen möchte. Das war ein Event für uns Nähfans und das hätte man so publizieren sollen.
Ich weiß nicht wie man sowas zu einem Familienausflug machen kann. Deklarieren kann. Frauen die wenige Monate alte Babys mitbringen…Sorry to say…das war unnötig und im nach hinein betrachtet, echt gefährlich! Nicht nur wegen des Wetters!
Gundula und Gunter KONNTEN nicht anders, sie MUSSTEN reagieren. Und haben sie bevorzugt behandelt, ins Stoffzelt rein gelassen…etc. Und genau dann kippte die Stimmung. Denn viele fanden genau das ungerecht. Sie fingen an noch mehr zu drängeln, zu rutschen, zu drücken, egoistisch zu werden und sich selbst am nächsten zu sein.
Zu diesem Zeitpunkt hat meine Freundin das Gelände bereits wieder verlassen ohne auch nur ein Stück Stoff, Kurzwaren oder ähnlichem. Sie hat von dem Gebäude an sich nix gesehen sondern einzig ihren „Goody“-Bag mitgenommen. Der Kreislauf machte schlapp und sie zog rechtzeitig die Reißleine.
Andere wiederum taten das nicht und so mussten die Sanitäter doch häufiger ran, div. Krankenwagen wurden gerufen, weil auch vor allem Schwangere mit dem langen stehen und der Hitze und Enge nicht klar kamen.

14316005_1235208739870601_122365272_oAls ich endlich ins Zelt kam, konnte ich kaum nachvollziehen warum man die Kinder überhaupt ins Zelt gelassen hat. Die Luft stand und war unglaublich aufgeheizt. Gut. Das Ziel in das Zelt zu kommen, das hatten alle. Ich war froh als ich wieder raus kam. Ich habe viele Kisten nur überflogen, nicht lange gesucht nach besonderen Stücken, sondern einfach nur schlichte Ringeljerseys zum kombinieren von vorhandenen Stoffen mitgenommen. Die Preise waren wirklich toll, ich kann also verstehen, dass viele über die Stränge geschlagen habe. Nicht nur einmal habe ich gesehen wie mehrere Hundert Euro in die Hand der Kassierer/innen gewandert sind. Wahnsinn. Ich nähe gern und kaufe auch gern Stoff, aber hier war ich versucht meinem Mann zu stecken, dass er mit mir wirklich ein leichtes Los gezogen hat.

14269685_1235208863203922_73844604_nWährend ich also an der Kasse stand konnte ich mich aber in Ruhe umsehen und muss sagen – WOW! Wie hysterisch manche Frauen in so ein Zelt rennen können, sich auf die Kartons stürzen können, diese sogar einreißen und sämtliche Stoffe auf dem Boden verteilen. Das war erschreckend. Verstörend möchte ich sagen! Es wurde sich teilweise sogar um Stoff gestritten und da hörts für mich dann auf. Das sind seiten in der Nähszene die ich nicht sehen will.

Ich war also froh aus dem Zelt raus zu sein und bin rüber zur Halle um nun zu gucken, was hinter den Kulissen läuft. Leider wurde mir der Einlass sehr unfreundlich verwehrt. Die Räumlichkeiten werden noch benötigt. Das unfreundliche ist hier ein Kritikpunkt – egal wie viel Stress ihr habt, man ist nicht unfreundlich, pampig oder patzig. Ich nehme an die Räumlichkeiten mussten freigehalten werden, falls weitere Menschen medizinische Hilfe benötigen. Raus aus der Sonne…was weiß ich.

14303755_1235986059792869_244705834_oIch habe mich an dieser Stelle entschlossen zu gehen. Und auf dem Weg nach draußen gingen viele mit mir. Teilweise hatten sie noch nicht mal einen Goodybag dabei. Und auch keinen Stoff. Nichts. Sie haben aufgegeben. Auch die Reißleine rechtzeitig gezogen. Es waren sogar Mädels mit mir im Zelt die sogar ihre Stoffe haben wieder in die Kisten geschmissen und gegangen sind, weil sie einfach sauer waren über die Organisation.
Aber ich glaube die Organisation ist gar nicht so das Problem gewesen. Sondern eher die Variable „wie Nähfans“! Die ist unberechenbar.

14285427_1235208803203928_1656783178_oEinziger Kritikpunkt – es wurden Leute aufs Gelände gelassen die KEINE Eintrittskarte hatten. Aussagen von Gundula: Die Anzahl wäre verschwindend gering. Wenn es nur 5 waren…ich finde es trotzdem nicht fair. Denn ich habe eine Karte gekauft. Hätte ich meinen Mann mitgenommen, hätte ich auch ihm eine gekauft. Das geht nicht. Wenn ich ein Kontingent von 3000 Karten habe, dann behaltet 500 ein, für die, die ohne Vorverkauf „spontan“ kommen möchten. Aber lasst sie nicht so rein. Das frustet, die die ehrlich gekommen sind und auch weite Strecken auf sich genommen haben.
Und 3000 Karten waren zu viel. Ob es nun 5000 waren, 3500 Menschen…egal, es war zu viel. Solltet ihr im kommenden Jahr noch mal über einen TdoT nachdenken, was ich hoffe. Dann macht lieber zwei, aber mit deutlich weniger Personen. Bringt keine EP’s raus die es nur an diesem Tag dort vor Ort zu kaufen geben wird und sperrt den Einlass mit Bändern ab…dass eine Schlangenführung entsteht. Ich glaube das würde es einfacher und gesitteter machen 😉

Ich für mich, fand den Tag anstrengend, ich war genervt und wollte zu so einer Veranstaltung nie wieder fahren. Ich bin auf euer Statement gespant, liebes Stoffweltenteam. Ich bin mir sicher ihr werdet reflektieren. Ich hoffe ihr nehmt konstruktive Kritik an. Aber lasst euch sicher sein, es gibt immer schwarze Schafe. Gerade in der Nähwelt.
Ich hoffe nur, das ihr ehrlich seid. Das ihr nichts vertuschen wollt, denn vielleicht sind doch hier und da Fehler gewesen und dazu solltet ihr stehen. Kommentare zu löschen, finde ich ok, solange sie Beschimpfungen enthalten oder ähnliches. Solange Kritik geübt wird, lasst sie stehen. Auch wenns weh tut.

Bis bald,

Eure Janina

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4 Comments

    • Liebe Lisa,
      ich danke dir sehr. Wichtig ist das Kritik konstruktiv ist. Nicht jeder Mensch ist Kritikfähig und auch ich tue mich damit oft schwer. Mit dem Finger auf jemanden zeigen ist schnell gemacht, aber bei vielem was ich gelesen habe waren die Gemüter erhitzt und emotionsgeladen.
      Ich hoffe ich konnte nun einige Tage später meinen Eindruck objektiv genug rüber bringen.
      Lieben Gruß
      Janina

  1. Anke Sandkühler

    Super geschrieben. Dass sich manche „Damen“ um Stoff streiten, große Drängeleien, … habe ich z. B. beim Holländischen Stoffmarkt erlebt. Einfach unglaublich!
    LG, Anke

    • Liebe Anke,
      das man sich vielleicht ärgert weil man den gewünschten Stoff nicht bekommen hat, kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Aber wenn ich es sarkastisch ausdrücken möchte, dann hab ich Fangzähne wachsen sehen.
      Ich fand es wirklich erschreckend wie mit den Stoffen/Kisten umgegangen worden ist. Diese sind wirklich eingerissen worden, Stoffe lagen auf dem Boden herum und die Massen sind darauf herumgetrampelt. Das fand ich wirklich sehr schade.

      Ich danke dir und freue mich das dir mein Artikel gefällt.

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